Demagogie im höchsten Amt …

In einer Weise, die beim Erstellen der Notizen zum „Tag des Flüchtlings“ letzte Woche zwar befürchtet, aber nicht unbedingt erwartet wurde, hielt der dt. Bundespräsident am 20. Juni 2015 im Historischen Museum eine von Phrasen und Worthülsen geprägte Rede, die vor Bigotterie, fragwürdigen Gleichsetzungen von DDR und Nationalsozialismus und weiteren Grenzziehungen nur so strotzte. Die Quintessenz seiner Rede ist erneut sehr heikel. Kraft seines Amtes spaltet er die in Deutschland lebenden Menschen in erwünschte und unerwünschte Gruppen auf und verschiebt die Grenze des Sagbaren abermals nach rechts. Er spricht von Verantwortung und Zusammenhalt der „Kulturgemeinschaft“ und gibt gewissenhaft zu verstehen, wer zu dieser Gemeinschaft dazugehören kann und wer nicht.

Spricht er sich in dem einen Satz noch für die Aufnahme von Flüchtlingen auf, differenziert er kurze Zeit später zwischen „nützlichen“ und „unbrauchbaren“ Menschen, die, wie er sagt auch „konsequenter abzuweisen“ sind. Konsequent und in gleichsam bigotter Weise bedient er mit der Verwendung der Begriffe des „Fremden“ und „Anderen“ ein dualistisches Argumentationsmuster, welches die „Einheimischen“ auf der anderen Seite gleich mitliefert und Grenzziehungen konstruiert. Die von ihm verwendeten Ausdrücke sind stets mehrdeutig und bezeichnen immer eine Vielzahl von Dingen, die sich nach Belieben in verschiedenste Diskurse einbauen lassen. In Zeiten, in denen vielerorts (geplante) Asylbewerberunterkünfte brennen, wird Gauck selbst zum Brandstifter, wenn er davon spricht, dass die „kulturelle Distanz“ mancher Flüchtlinge einfach zu groß sei. Am Ende der Rede angelangt, verfestigt sich somit der Gedanke es handle sich bei Gaucks Aneinanderreihung von Worthülsen mehr um eine rituelle Beschwörung, als um einen Apell zu mehr politischer Verantwortung und Veränderung. – Hier zur Rede ...

Advertisements

2 Antworten

  1. […] wird nun fleißig gespalten zwischen nützlichen „Anderen“ und den Wenigen, die aus vorgegaukelter Mitmenschlichkeit eine Weile bleiben dürfen, um dann nach einigen Jahren Kettenduldung wieder abgeschoben zu werden. […]

    Gefällt mir

  2. […] Nachtrag: In einer Weise, die beim Einstellen oben stehender Notizen zwar befürchtet, aber nicht unbedingt erwartet wurde, hielt der dt. Bundespräsident am 20. Juni 2015 im Historischen Museum in Berlin eine Rede, in dem für seine Person mittlerweile schon bekanntem Stil, welcher geprägt ist von sophistischen Worthülsen, die vor Bigotterie, Gleichsetzung und Grenzziehungen nur so strotzen. Die Quintessenz seiner Rede ist mindestens fragwürdig. Wie ein Manager, der für die Performanz des Verkauften zuständig ist, spricht er von Verantwortung und Zusammenhalt der „Kulturgemeinschaft“. Gewissenhaft gibt er zu verstehen, wer zu dieser Gemeinschaft dazugehören kann und wer nicht. Spricht er sich in dem einen Satz noch für die Aufnahme von Flüchtlingen auf, differenziert er kurze Zeit später zwischen „nützlichen“ und „unbrauchbaren“ Menschen, die, wie er sagt auch „konsequenter abzuweisen“ sind. Konsequent und in gleichsam bigotter Weise bedient er mit der Verwendung der Begriffe des „Fremden“ und „Anderen“ ein dualistisches Argumentationsmuster, welches die „Einheimischen“ auf der anderen Seite gleich mitliefert und Grenzziehungen konstruiert. Die von ihm verwendeten Ausdrücke sind stets mehrdeutig und bezeichnen immer eine Vielzahl von Dingen, die sich nach Belieben in verschiedenste Diskurse einbauen lassen. In Zeiten, in denen vielerorts (geplante) Asylbewerberunterkünfte brennen, wird Gauck selbst zum Brandstifter, wenn er davon spricht, dass die „kulturelle Distanz“ mancher Flüchtlinge einfach zu groß sei. Am Ende der Rede angelangt, verfestigt sich somit der Gedanke es handle sich bei Gaucks Aneinanderreihung von Worthülsen mehr um eine rituelle Beschwörung, als um einen Apell zu mehr politischer Verantwortung und Veränderung. – Hier zur Rede … […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

-disurban DIE STADT ALS DISKURS

DIE STADT ALS DISKURS

BREAK THE SILENCE

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

Zwei Schritte vor, einen zurück

über Gesellschaft, Politik und was sonst bewegt

Leben ist kein Algorithmus

über Gesellschaft, Politik und was sonst bewegt

Blog für Straße & Leben

über Gesellschaft, Politik und was sonst bewegt

Audioarchiv

über Gesellschaft, Politik und was sonst bewegt

Mosaik

Just another WordPress.com site

undogmatisch.net

Blog für Politisches

Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung

über Gesellschaft, Politik und was sonst bewegt

FSK - Freies Sender Kombinat

über Gesellschaft, Politik und was sonst bewegt

WENDEFOKUS

über Gesellschaft, Politik und was sonst bewegt

Claire Horst

Texte, Schreibcoaching, Workshops

OPlatz — Berlin Refugee Movement

Abolish Residenzpflicht! Abolish ‚Lagers‘! Stop Deportations! Right to Work and Study!